Zwei Arten der Wissensaneignung


Es gibt grundsätzlich zwei Arten der Informationsaneignung. Ich nenne sie hier der leichteren Verständlichkeit halber "Er-lernen" und "Er-schrecken".

"Er-lernen" passiert ständig. Man merkt es kaum. Man tut etwas, es klappt und man wird es beim nächsten mal wieder so versuchen, weil es sich anscheinend bewährt.

Man kommt in eine Situation, in der man jemand anderen schon oft beobachtet hat. Nun ist man selber gefragt. Man versucht es und siehe da, man kann es auch selber machen. "Er-lernen" hat viele Wege. "Er-lernen" ist immer leicht. Es passiert am besten ohne Druck und in als natürlich empfundenen Zusammenhängen. In der Regel merkt man nicht, dass es überhaupt passiert.

"Er-schrecken" vergisst man nicht. Wird einem etwas an-"erschreckt", so ist das in gewisser Weise eine Erschütterung. Das Behalten dieser Inhalte klappt in der Regel gut, aber es wieder hervorzurufen strengt an. Die Anstrengung gehört förmlich dazu. Hat man Tätigkeiten ausgeführt, die einem "anerschreckt" wurden, so ist man anschließend erschöpfter, als es die reine Tätigkeit an sich erwarten lies.

In der Schule und in Berufsausbildungen, ja und auch in der Kindererziehung wird selten genau zwischen diesen beiden Arten der Wissensaneignung unterschieden. Dabei gibt es hier einen entscheidenden Unterschied!

Wie kommt es zu diesem Unterschied?

Es gibt noch einiges mehr zu diesem Thema zu sagen, was zum besseren Verständnis wichtig sein kann:

Das "Er-lernen" passiert nicht in einem Rutsch. Es geschieht in mehreren Phasen. Ich nenne hier einmal drei:

Erleben - Überschlafen - Aktivieren

Erleben ist klar. Über unsere Sinne, unsere Sensoren, nehmen wir Reize auf. Diese verstehen wir in der Regel richtig und können darauf reagieren. Üblicher weise bewegt uns das, was wir am Tage erleben. Wir sind in diesem Thema drin und das Aktuelle vom Tage hat Vorrang vor allem Erinnerten der letzten Tage und Wochen.

Überschlafen wir es aber, so verhalten sich diese Erinnerungsinhalte am nächsten Tage viel ruhiger und defensiver. Sie treten hinter die neuen Eindrücke zurück. In den REM-Schlafphasen wurden die Erlebnisse des Vortages ins Archiv einsortiert. Der Arbeitsspeicher ist wieder frei für neues.

Haben wir nun wieder intensiv mit den Themen von gestern zu tun, so aktivieren und vertiefen wir das "Er-lernte". Es wird weiter und intensiver mit bereits früher gelerntem verbunden.

Bei "Aner-schreckten" Inhalten ist einiges anders:

Der menschliche Organismus kennt Alarmzustände. In der einschlägigen Literatur sind diese z.T. bereits gründlich beschrieben worden. Als eine sehr grobe Einteilung könnte die Abstufung in die Qualitäten "Fliehen", "Kämpfen" und "Sich-tot-stellen" gelten.

In der Schule bzw. kennen wir Situationen, in denen ein Schüler aufgerufen wird, eine Aufgabe zu lösen, eine Frage zu beantworten o.ä. und "es kommt nichts". Evtl. wird derjenige rot oder blass, starrt vor sich hin und schweigt; weint vielleicht. Wer dies an sich selbst so erlebt hat, wird es nun auch hier relativ unangenehm nacherleben können. (sorry!) Das ist ein Beispiel für, "sich-tot-stellen".

Was passiert in diesem Moment? - Wir haben am Anfang dieses Artikels geschaut, wie lernen im Idealfall geschieht. Hier haben wir es mit einer weiteren Version der Wissensaneignung zu tun. Unser Gehirn kann in Notsituationen auf einen Automatismus zurückgreifen, der Notfallroutinen erzeugt, die bestenfalls sofort einsatzbereit sind, ohne dass sie erst geübt oder aktiviert werden müssten. Phobien entstehen auf diese Art. Panik-Attacken und Zwangsstörungen beruhen auf denselben Hirnfunktionen.

In einer von unserem Gehirn als gefährlich eingestuften Situation schaltet es in einen dieser Alarmzustände um und begreift die Situationen als ganzes. Sinnesreize, die unter normalen Umständen als Schlüsselreize zum Wiedererkennen gelten würden, werden hier zu Auslösereizen, die in einem reflexartigen Vorgang die Gefühle, Körperreaktionen und Bewegungsmuster aus der Stresssituation wieder aktivieren. Einer Phobie ist noch am ehesten diese Herkunft aus einer Stresssituation anzumerken. Und auch, dass die daraus resultierende Notfallroutine eine sinnvolle Funktion haben kann wird klar: Wer auf einer Gebirgswanderung an eine ungesicherte Kante über einer Schlucht tritt und dieses Panikgefühl, welches er von den Reparaturarbeiten auf seinem Garagendach kennt, auftritt, wird nicht so leicht abstürzen.

Stresssituationen erzeugen Alarmmarker.

Alarmmarker sind Auslösereize und haften an, Situationen, Personen, Tages- oder Jahreszeiten, Tätigkeiten, Wetterbedingungen, ...

Die Struktur des "Anerschreckten" findet sich nicht nur bei diesen o.g. Beispielen, sondern überall im regulationsdynamischen Organismus. Die o.g. Stresssituationen erzeugen Irritationskomplexe.

Irritationskomplexe stören die regulationsdynamischen Abläufe und erzeugen Anpassungsstörungen. Phobien und Panikzuständen liegen qualitativ die gleichen Irritationskomplexe zugrunde wie Lernblockaden, Lampenfieber oder Verliebtheitszuständen und Dejavués.

In der Pädagogik/Didaktik wird überwiegend darauf geachtet, was und wie den Schülern vermittelt werden soll. Ich will hier aufzeigen, dass es beim Lernen vor allem auf den Zustand ankommt, in welchem sich Lehrer und Schüler befinden. Befindet sich jeder in einem normalen Betriebsmodus, kommt es meiner Ansicht nach nicht so sehr darauf an, welche Lehrmethode zur Anwendung kommt. Am Ende der Themeneinheit wird der Schüler wissen, was er lernen sollte. Befindet sich aber der Lehrer oder der Schüler in einem alarmierten Zustand, dann wird das Arbeitsergebnis unabhängig vom Lernstoff und von der Lehrmethode recht zweifelhaft sein. So kann es durchaus passieren, dass ein Lehrer zu einem Auslösereiz für einen blockierten Systemzustand wird. Wie alle dissoziativen Störungen besteht solch ein blockierter Zustand nur, wenn er ausgelöst wird. In anderen Situationen, unter anderen Umständen hat derjenige nicht die geringsten Schwierigkeiten, sich zu erinnern, lustig, neugierig und entspannt neues zu erkunden und auch frei und ungezwungen mit Erwachsenen umzugehen. Es kommt zentral wichtig auf das Vorhandensein eines Auslösereizes an.

Was hat das für den Schüler für Konsequenzen? Nun, wenn er für dieses Fach nicht die Klasse wechseln darf, wenn der Lehrer nicht ausgetauscht werden kann, oder wenn dem Schüler niemand helfen kann, den Auslösereiz zu deaktivieren, wird er in diesem Schuljahr mindestens eine Note schlechter sein müssen. Besonders unangenehm wird es, wenn von diesem Phänomen ein Lieblingsfach betroffen ist, oder ein Fach , welches wegen eines zu erreichenden Notendurchschnitts nicht schlechter als … sein darf.

Eine ähnliche Wirkung auf die Fähigkeit Wissen überhaupt aufzunehmen und behalten zu können, geschweige denn, sich in der Prüfungssituation erinnern zu können, kann auch ein Mitschüler haben, auf den man wie auf einen Auslösereiz reagiert. Eine mündliche Abfrage kann dann zu einem Fiasko werden, nur weil der Betreffende zu einem herüber schaut. Was soll man hier unternehmen? - Sollte man die Klassenverbände auflösen, und es allen Schülern freigeben, mit wem sie lernen möchten? - Sollte man Schüler immer einzeln und unter Ausschluss der Öffentlichkeit abfragen? - Sicherlich wäre es wünschenswert, wenn in unseren Schulen ein Bewusstsein dafür erwachen würde, wie wichtig Sicherheit und Wohlbefinden für einen guten Lernerfolg sind. Ein Schüler der sich in einem alarmierten Zustand befindet, kann nicht lernen. Seine mentalen Ressourcen sind in einem solchen Zustand vorübergehend im Bereich einer schweren geistigen Behinderung. Sicher; einen Moment später kann derjenige wieder einen IQ von 120 aufweisen und sehr brillant sein, aber in einem blockierten Zustand wird man von diesen Möglichkeiten nichts erahnen können.

Ich finde, dass eine Lernzielkontrolle, die diesen Sachverhalt nicht mit berücksichtigt, nicht fair ist. Was können wir hier tun? - Auf die Eröffnung einer Modellschule zu warten, wird in der Regel länger dauern als die Schulpflicht unserer Kinder.

Wir machen hier mit emoflex® sehr gute Erfahrungen gemacht.

In den meisten Fällen genügt eine Coachingsitzung um einen Lehrer „schönzuwinken“. Anschließend sind die Auslösereize, ja ganze Irritationskomplexe, die in einem Fach den Lernerfolg behinderten, deaktiviert. Wir brauchen also nicht das ganze Schulsystem zu revolutionieren! Wir können lernen, geschickt mit unserem Alarmsystem um zu gehen.

Bei sensibleren Kindern und Erwachsenen kommt es leicht zu einer Überreaktion des Alarmsystems. Je mehr Stress und Leistungsdruck entsteht, desto leichter gerät derjenige in einen blockierten Zustand. Die Folge wird noch mehr Stress sein. Davon sind Lehrer und Schüler in gleichem Maße betroffen. Die Leistungen sensibler Schüler bleiben weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Sensible Lehrer geraten in eine Burnout-Dynamik. In guten Zeiten sind sensible Menschen diejenigen, die aus einem Tag für alle einen guten Tag machen. Übersteigt der Stress ein erträgliches Maß, geraten diese wertvollen Menschen in Burnout und Mobbing.

Die beste Vorgehensweise, Anpassungsstörungen zu beseitigen, ist, die Irritationskomplexe zu deaktivieren. Dies ist leicht möglich, wenn man das emoflex-Basiswerkzeug darauf anwendet. Eine Schwierigkeit besteht nun noch darin, dass Irritationskomplexe komplex sein können. Dahingehend zielt die emoflex-Konzeptentwicklungsarbeit, für immer mehr Problemstellungen Auflösungsstrategien zu entwickeln, die ein programmiertes Vorgehen ermöglichen.

Ich möchte Sie einladen, ihre eigenen Lebenszusammenhänge und die Ihrer Kinder/ Ihrer Schüler daraufhin zu durchdenken. In welchem Systemzustand befand derjenige sich in dieser Situation? Hatte er überhaupt die Chance etwas zu lernen, hatte er die Chance sich zu erinnern?!

Dabei sollten wir auch berücksichtigen, dass sich ein Alarmzustand von einem Menschen auf den anderen überträgt. Welcher Mensch bleibt davon unberührt, wenn in seiner Umgebung jemand mühsam Angst oder Aggression zu unterdrücken versucht?! Wir schwingen uns aufeinander ein. An guten Tagen gibt es nichts besseres als Empathie! Aber unter Druck jemand anderem in dessen Alarm hinein zu folgen ändert alles.

Wenden Sie versuchsweise einmal das emoflex® -Basiswerkzeug auf eine Schulsituation oder als Erwachsene auf eine Situation im Job an und erleben Sie die Erleichterung.

Wählen Sie eine Person aus Schule oder Beruf aus, die heftige Emotionen bei Ihnen auslöst.

Skalieren Sie Ihr Gefühl zu dieser Person auf einer Skala von plus 10 bis minus 10. Sie werden irgendwo zwischen minus 3 und minus 8 liegen...

Übersetzen Sie nun das vermutete Lebensgefühl desjenigen nach dem folgenden Verfahren in eine abstrakte Form:

Basiswerkzeug*

Erster Schritt:

Übersetzen Sie diese unangenehme Emotion einmal in eine dreidimensionale abstrakte Form. Ich werde Ihnen dabei helfen. Sollte Ihnen bei der einen oder anderen Frage nichts einfallen, lassen Sie sie aus und gehen Sie zur nächsten:

Ist diese Emotion eher schwer oder eher leicht?

Möchten Sie als Beschreibung für diese Emotion eine eckige oder eher eine runde Form nehmen?

Welche möchten Sie auswählen?

Fällt Ihnen eine Farbe zu Ihrer Emotion ein?

Sollte die Konsistenz Ihrer Form fest, flüssig oder gasförmig sein?

Die Form könnte auch eine Bewegung ausführen, wenn sie Ihre Emotion so besser beschreiben würde.

Wenn Sie ganz gründlich sein möchten, können Sie nun noch eine Temperatur, ein Geräusch und einen Geruch zuordnen.

Fertig! Beschreiben Sie nun noch einmal Ihre Übersetzung und stellen Sie fest wo im Raum Sie sich die Form vorstellen.

Zweiter Schritt:

Sie wissen nun wo Sie sich Ihre Form vorstellen.

Schauen Sie einmal links an ihr vorbei.

Und nun schauen Sie bitte rechts an ihr vorbei.

Wechseln Sie nun 5 bis 10 mal hin und her. Führen Sie die Augenbewegungen eher schnell aus. Ideal wäre etwas schneller als eine Sekunde pro Wechsel.

Haben Sie das?

Nun atmen Sie bitte einmal tief durch und zwinkern Sie einige Male mit den Augen.

Denken Sie nun wieder an eine Situation, in der sie sich begegnen werden oder begegnet sind und skalieren Sie erneut. In den meisten Fällen entspricht Ihre Emotion nun einem neutraleren Wert. Wenn Sie möchten, wiederholen Sie nun noch einmal das Verfahren, aber ich weise darauf hin, dass unsere Emotionen zu einem unsympathischen Menschen sich auch mit diesem Verfahren nicht auf plus 10 bringen lassen werden. Mit dieser Vorgehensweise lösen wir unser Festgelegt-Sein auf Lampenfieber, Panik, Angst oder auch „(unglückliches) verliebt-sein“. Aber wir können uns damit nicht in eine Euphorie in Bezug auf einen „unnetten Menschen“ versetzen. Durch die Nachahmung der hirn-eigenen natürlichen Entlastungsstrategien wird unsere Einstellung zu Situationen, zu Menschen, zu Themen einfach nur normal. Nichts weiter. Aber wie dringend haben wir gerade dies so oft nötig, nicht wahr?!

In einer Coaching-Sitzung würden wir nun natürlich noch gründlich alle Rahmenbedingungen , alle biographischen Ähnlichkeiten und Besonderheiten in unseren Wahrnehmungseinstellungen absuchen und mit weiteren als nur mit dem Basiswerkzeug normalisieren. Die Übergänge zwischen Selbsthilfe und professioneller Anwendung sind bei emoflex® aber mit Absicht fließend. Versuchen Sie, ob Sie sich selbst helfen können. Greifen Sie auf einen Profi zurück, wenn Sie irgendwo nicht weiterkommen. Wir haben in der Selbstanwendung den Vorteil, dass wir nicht zu weit gehen werden. Wir haben da natürliche Sicherheitsbarrieren eingebaut. Leiten Sie daher niemanden an, ohne eine gründliche Einweisung erhalten zu haben. Von jemandem angeleitet sind wir versucht, unsere eigenen Grenzen zu überschreiten.


©2010 Johannes F.W. Drischel


*Selbstanwendung auf eigenes Risiko, nicht ohne Einweisung Dritte Anleiten.